Piter deine Kathedralen und Klöster

Donnerstag, 02.04.2015

Es gibt so viel über Petersburg zu berichten, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Eines jedoch steht fest: ich hatte den besten Stadtreiseführer zur Hand. Den hatte ich kurz vor meiner Abreise im September von meiner russischen Freundin bekommen. Zusammen mit ihrem letzten 50 Rubel Schein und den Worten: "Hier ist ein Buch über Petersburg. Und ein kleiner Zuschuß zum Zugticket dahin. Wehe, du kommst zurück und hast diese Stadt nicht gesehen!" So klangen ihre Worte in meinem Ohr und bereits im September stand fest: Petersburg ist ein Muss. Mein Reiseführer ist übrigens von Marco Polo, welcher die Stadt in verschiedene Areale unterteilte. Innerhalb der Areale wurden alle Sehenswürdigkeiten und so mancher Geheimtip vorgeschlagen, so das ich behaupten möchte, mir ein umfassendes Bild von der Stadt gebildet zu haben. Dem noch nicht genug, waren im hinteren Teil des Buches 3 Stadtspaziergänge beschrieben, die vielleicht auch abseits der üblichen Routen einige Schätze offenbarten und den Blick erweiterten. Da die Öffnungszeiten der Museen, Kirchen und Kathedralen maximal zwischen 10 Uhr und 18 Uhr lagen und die Lichtverhältnisse ein Übriges beisteuerten, bin ich teilweise wirklich durch die Straßen gejoggt. Mit rotglühenden Wangen der Begeisterung und maximalem Entdeckergeist in der Brust. Der Reiseführer hatte mir Lust gemacht, möglichst viel zu erleben und da war ein gemütliches von-einem-Ort-zum-nächsten-schlendern schlicht Zeitverschwendung. Ich wollte all die Kostbarkeiten mitnehmen. Und würde behaupten, dass ich tatsächlich das Meiste davon innerhalb der Stadt gesehen habe. Allerdings war die Woche zu kurz, um die großen Schlösser der Vororte, wie Peterhof, Pawlowsk oder Zarskoje Selo zu besuchen. Nunja, ein guter Grund um wiederzukommen!

Ich habe mich entschlossen, Euch die Sehenswürdigkeiten also thematisch näher zu bringen. Starten werde ich heute mit den Kathedralen und Klöstern. Die Prächtigste von allen ist zweifelsohne die Christi-Auferstehungskirche, die in den Jahren 1887-1907 erbaut wurde. Sie erinnerte mich von außen sehr an die Basiliuskathedrale in Moskau, und soll wohl auch nach ihrem Vorbild erbaut worden sein. Weniger schön ist jedoch der Grund ihres Daseins. Im Jahr 1881 fiel der damals amtierende Zar Alexander II einem Bombenattentat zum Opfer. An der Stelle seines Todes wurde, auf Anweisung seines Sohnes Alexander III, die Kathedrale errichtet. Über der genauen Position des Attentates befindet sich im Inneren ein Baldachin zum Gedenken an das historische Erlebnis. Im Übrigen erinnert auch der zweite Name der Kathedrale an das Attentat: Blutkirche! Die Farbenpracht der Kuppeln spiegelt sich auch im Inneren wieder. Sie ist komplett mit wunderschönen Mosaiken ausgestattet und leuchtet in den schillernsten Farben, so dass es mir schwer fiel, den Weg nach Außen finden zu wollen.

Christi-Auferstehungskirche Baldachin an der Todesstelle Zar Alexander II
prächtige Ikonostase Mosaike bis unter die Kuppeln

 

Die von außen sehr dunkel wirkende Isaakskathedrale stammt aus den Jahren 1818-1858. Sie zählt zu den größten Kathedralen weltweit und wird mit einem Haufen an Superlativen beschreiben: 102 m hoch, 10.000 m² Innenfläche, mit Platz für bis zu 12.000 Menschen. Die Kathedrale steht auf 24.000 Pfählen, hat bis zu 5 m dicke Wände  und bringt ein stolzes Gewicht von 300.000 t auf die Waage. Insgesamt wurden zur Vergoldung der riesigen Kuppel und des Innenraums mehr als 400 kg Gold verbraucht. 43 verschiedene Mineralien, Marmor in unterschiedlichen Farben und zahlreiche Edelsteine verzieren den Innenbau. 112 Monolithsäulen machen die Kathedrale indes von außen unverkennbar. Im Inneren des heutigen Museums strahlt in hellem Glanz neben Mosaiken, Gemälde und Skulpturen die prachtvolle Ikonostase. Und wenn ich mich schon kaum vom Inneren losreißen konnte, so war ich vom Ausblick auf der 43 m hohen Kolonnade gerade zu gefangen.

Isaakskathedrale Innenansicht
Aussicht von der Kuppel I believe I can fly!

 

Die Kasaner Kathedrale aus der Bauzeit 1801-1811 soll vom Baustil an den Petersdom in Rom erinnern.  Die aus 96 Säulen bestehenden Kollonade ist jedoch funktionslos, da sie die Nordseite des Gebäudes schmückt und nicht den nach Westen gerichteten Altarraum. Der Name der Kathedrale weist zurück auf die Ikone der Gottesmutter von Kasan, die als wundertätig gepriesen wird und deren Nachbildung heute die Ikonostase ziert. Diese im Inneren sehr dunkle Kathedrale beherbergt zahlreiche Beutestücke aus dem Napoleonfeldzug, darunter auch einige Stadtschlüssel deutscher Städte, wie Bremen und Lübeck. Ausserdem findet sich in der Kathedrale das Grab des 1813 verstorbenen Feldmarshalls Kutusow.

Kasaner Kathedrale

Das Gelände um das Alexander Newski Kloster, gebaut 1713-1790er Jahre, ist vielfach ausgezeichnet. So erhielt es als eines von nur 4 Klöstern innerhalb Russlands den Ehrentitel Lawra. In der Hauptkathedrale, der Dreifaltigkeitskathedrale befindest sich der silberne Reliqienschrein mit den Gebeinen Alexander Newskis. Um das Kloster herum kann man zahlreiche Friedhöfe erkunden, wovon der Tichwiner- und der Lazarusfriedhof mittlerweile zum Kulturgut des Skulpturenmuseums gehören. Der Eintritt ist demnach kostenpflichtig, lohnt sich aber auf alle Fälle. Auf beiden genannten Friedhöfen befinden sich Gräber sehr bekannter rusischer Staatsbürger. Ihre Ruhestätten sind mit wunderschönen Grabsteinen und Skulpturen verziert. Ein Teil davon war allerdings nicht sichtbar und gut verpackt in Holzkisten. Ich nehme an, dass die wahrscheinlich marmornen Figuren durch die langen Fröste Schaden nehmen würden. Ich startete zunächst auf der 1930 als Künstlerfriedhof angelegten Tichwiner Seite. Dort besuchte ich die Stätte der ewigen Ruhe von dem Mathematiker Leonhard Euler, dem Schriftsteller Fjodor Dostojewski und den Komponisten Michail Glinka, Anton Rubinstein, Igor Strawinski und Pjotr Tschaikowski. Dieser Friedhof ist sehr übersichtlich angelegt, so dass ich die Ziele mühelos entdecken konnte. Ein ganz anderes Bild ergibt sich auf dem Lazarusfriedhof, welcher aus dem 18. Jahrhundert stammt. Hier erwartet den Besucher ein absolutes Wirrwarr an Gräbern und Skulpturen und die Wege sind nur zu erahnen. Man könnte hier nun also unter Anderem den Architekten Carlo Rossi, der das Stadtbild entscheidend prägte besuchen... wer ihn denn inmitten der 1000 Gräber findet. Nach der Besichtigung war mir die Kälte dermaßen in die Finger gekrochen, dass ich froh war im nahegelegenen McDonalds eine Kaffe- und Kuchenpause einzulegen. Ich war tatsächlich am kältesten Tag der Woche durch die wunderschöne Anlage gewandert.

Alexander Newski Kloster Dreifaltigkeitskathedrale
Tichwiner Friedhof Lazarus Friedhof

Ruhestätte Pjotr Tschaikowskis

Das 1748-1835 errichtete blau-weiße Smolnykloster beherbergte in den Gründungsjahren ein Frauenkloster. Und seit 1764 kurzzeitig eine Erziehungsanstalt für adlige Mädchen und gilt als erste Lehranstalt für Frauen in Russland überhaupt. Die Auferstehungskathedrale ist das Herzstück des Klosters. 2 seiner Kuppeln können bestiegen werden und offenbaren wieder einmal einen wunderschönen Ausblick über die Stadt. So wunderschön und beeindruckend die Kathedrale jedoch von aussen ist, umso schlichter ist sie von Innen. Auch diese Kathedrale hat, wie die meisten in Petersburg, nur eine kurze Geschichte als Gotteshaus. In der Auferstehungskathedrale befindet sich heute eine Bühne nebst Zuschauerraum und ist Spielplatz für klassische und kirchliche Musik. Weitere Gebäude des Klosters können nicht besichtigt werden, da sie heute als Sitz der Petersburger Stadtregierung genutzt werden.

Auferstehungskathedrale und Smolny-Kloster Innenansicht
auf der Kuppel Blick auf die Newa

 

Die Petrikirche ist ausnahmsweise keine besondere Schönheit. Dafür finde ich ihre Geschichte umso spannender. In ihr erreichte meines Erachtens der sowjetische Atheismus definitv den Höhepunkt. Während andere Kirchen immerhin zu Museen umfunktioniert wurden, entstand in der Petrikirche kurzerhand ein Schwimmbad, was ihr bis heute den ulkigen Namen Schwimmbadkirche einbringt. Erbaut wurde die Kirche nach Vorbildern romanischer Basiliken in den Jahren 1833-1838 für die kleine ansässige römisch-katholische Gemeinde, der sie in den 1990er Jahren auch zurückgegeben wurde. Eine Rekonstruktion in den Urzustand war jedoch aus Statikgründen nicht möglich, so dass über die Schwimmbecken einfach ein neuer Boden gelegt wurde. Damit dürfte sie schon allein deshalb einzigartig sein, da sich der Kirchensaal also im Obergeschoss befindet. Die ehemaligen Sitzreihen des Schwimmbades bilden nur wenig höher gelegene "Emporen". Spannend fand ich die Tatsache, dass die Gottesdienste in der Kirche wohl teilweise auf deutscher Sprache abgehalten werden, und ich tatsächlich auf deutsch begrüßt wurde. An dem Abend meines Besuches fand zur Ehre der neuen Orgel ein Konzert statt, und schwupps.... hatte ich ein Programmheft und eine Einladung in der Hand.

Petrikirche   Schwimmbadatmosphäre

 

Zum Schluß zeige ich Euch noch kurz die von 1910-1914 errichtete Petersburger Moschee, welche lange Zeit die nördlichste Moschee weltweit war. Leider lag sie zu meinem Besuch versteckt hinter einem Bauzaun. Und auch im Inneren wurde kräftig renoviert. Dennoch wurde mir ein Einblick gewährt, als ich vorsichtig danach fragte. Und auch unter Baustaub, Lärm und Gewirke konnte man erahnen, welche Schönheit sich eingepackt unter den Folien verbergen muss.

Moschee

St. Petersburg

Dienstag, 24.03.2015

Die letzte Station meiner Reise führte mich also nach St. Petersburg. Viele positive Worte hatten die Menschen in Nischnij stets für diese Stadt übrig gehabt und alle sagten mir voraus, dass ich eine wundervolle Zeit in Piter verbringen würde. Im Nachhinein finde ich das sogar noch etwas untertrieben. Denn wenn mein Herz beim Anblick Kasans schon glühte, so zerriss es vor Begeisterung für diese Stadt. Man könnte sagen, ich bin verliebt . Petersburg war bereits jetzt im tiefsten, dunklen und eisigen Winter eine sehr, sehr große Persönlichkeit, aber welch Schönheit muss sie erst zeigen, wenn das Wasser blau schimmert und sich die Sonne darin spiegelt! Wenn die Boote durch die Kanäle fahren und Schiffe entlang der Newa. Ich fürchte ich würde diesen Ort nie wieder verlassen wollen. Petersburg hat definitiv meine Meinung geändert! Wovon? Naja, von unsinnigen Tagträumereien, von denen man weiss, dass diese doch nie Wirklichkeit werden. So träumte ich stets davon, dass ich eines Tages in der glücklichen Lage sein könnte, neben einem trauten Heim in Deutschland ein persönliches Rückzugs-Ferienziel zu erwerben. Und ich stellte mir auf allen Reisen die Frage: Welche Stadt spricht mich so sehr an, dass ich dort nach diesem Erholungsort Ausschau halten würde? Nun, bislang lag Florenz ganz weit vorn. Aber nun wäre es definitiv eine schöne Wohnung in Petersburg! Die Reisezeit muss im Übrigen fantastisch sein um die Zeit der Weissen Nächte um die Sommersonnenwende. Von Ende Mai bis Mitte Juli hat ein Tag durchschnittlich 19 Stunden und auch in der Nacht wird es nicht komplett dunkel, sondern der Himmel erstrahlt in einem wunderschönen pink und lila!

Genug getagträumt. Zurück zu den Fakten, mit denen ich gern beginne, um Euch näherzubringen, was ein Besucher von Petersburg erwarten darf. Innerhalb des Stadtgebietes von Petersburg leben heute um die 5 Mio Einwohner. Dies bedeutet, dass Petersburg die zweitgrößte Stadt in der russischen Föderation ist und sogar viertgrößte in Europa. Aber am spannendsten finde ich die Tatsache, dass sie die nördlichste Millionenstadt auf der Erde überhaupt darstellt.

Gegründet wurde Piter 1703 unter Zar Peter dem Großen. Von diesem soll jedoch im Übrigen der Name nicht abstammen, sondern von dessen Schutzheiligen, dem Apostel Simon Petrus. Die Stadt wurde "aus dem Nichts" unter Aufbietung aller verfügbaren menschlichen und materiellen Ressourcen auf Sumpfgebiet errichtet. Die Wassermassen, die der Stadt nicht nur während der Erbauungsperiode immer wieder zu schaffen machten, stammen aus der Newamündung, zahlreichen Kanäle und dem finnischen Meerbusen der Ostsee. Die ersten Gebäude entstanden in dem Gebiet, wo sich heute die Peter und Paul Festung befindet und sollten den Status Russlands unterstreichen, aber vor allem auch den Anschluß an die Ostsee als wichtigen Verkehrs- und Handelsknoten sicher stellen. Die Lage auf Meereshöhe bescherte der Stadt bis heute mehr als 300 Überschwemmungen und ließ bereits in den Gründungsjahren Gelehrte über das Vorhaben des Zaren lächeln. Man war sich einig: hier kann keine Stadt entstehen. Und erst recht keine von Rang und Namen!

Die ungewöhnliche Vision des Zaren wurde indes von europäischen Spitzenarchitekten umgesetzt, welche in Rekordzeit Taten folgen liessen und mit ihrem Geschick dazu beitrugen, dass Petersburg zu einer Weltstadt aufstieg. Allein im historischen Zentrum beherbergt die Stadt auch heute noch 2300 Paläste, Prunkbauten, und Schlösser. Aufgrund dieser Schönheit wurde die gesamte Altstadt in die Liste der Unesco Weltkulturerben aufgenommen.

Petersburg ist aber nicht nur für seine Schönheit bekannt, sondern durfte sich in den Jahren von 1712 bis 1918 sogar Hauptstadt Russlands nennen. Allerdings hiess die Stadt nicht immer St. Petersburg. In den Jahren während und nach dem ersten Weltkrieg (1914-1924), wollte man den deutsch klingenden Namen der Stadt nicht als solchen bestehen lassen. So wurde der Name ins russische übersetzt und als Petrograd eingetragen. Trotz des angeblichen Zusammenhangs der Namensgebung mit dem Apostel, wurde die Stadt jedoch stets in Verbindung mit dem Zarenreich und seinem Gründer gebracht. Und aufgrund ihrer Größe und ihres Ansehens, kam also auch Peter dem Großen großes Prestige und Ehre zu. Mit der Geburt der Sowjetunion, wollte man sich jedoch symbolisch umorientieren und den Blick auf den Begründer derselben richten und gewichten. So erfolgte 1924, nach dem Tod Lenins, eine zweite Umbenennung der Stadt in Leningrad. Angeblich sollen neben der Huldigung auch die Trauer über den Tod des Staatsbegründers gelegen haben. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, führte jedoch eine knappe Mehrheit eines Volksentscheides im Jahr 1991 dazu, dass die Stadt ihren urspünglichen Namen zurückerhielt.

Die Stadtfläche von Petersburg und ihrer Vororte wird mit 1400 km² angegeben. 10% der Fläche besteht aus Wasser, welches durch zahlreiche Kanale fließt und die 42 Petersburger Inseln umspült. Dieser Tatsache verdankt Petersburg den Titel Venedig des Nordens! Über das Wasser spannen sich insgesamt 342 Brücken. Von ihnen werden 13 Zugbrücken im Sommer zwischen 1:30 und 5:00 Uhr Nachts hochgeklappt, um große Schiffe passieren zu lassen.

Ich starte heute also damit, Euch ein paar meiner favorisierten Brücken und Anleger vorzustellen:

die Schlossbrücke führt über die Newa und verbindet das Stadtzentrum mit der Wassilij-Insel   die Anitschkowbrücke über der Fontanka zeigt 4 Pferdebändiger
  Bolsheohtinskij Brücke über der Newa   die Bankbrücke am Gribojedowkanal wird von Greifen gehalten
  Dreifaltigkeitsbrücke über der Newa   Anleger mit Löwen an der zugefrorenen Newa
  Anleger mit Sphinxen...   ... und bronzenen Löwen

Und zu guter Letzt eine der interessantesten Skulpturen in St. Petersburg. 1995 wurden diese Sphinxe von Alexander Schemjakin erschaffen, welche an die Opfer des Stalinismus erinnern sollen. Sphinx-Skulpturen kann man in Petersburg recht häufig finden, aber diese ausgemergelten und halb skelettierten Figuren sind definitiv einzigartig.

Schemjakin-Sphinxe

Geld oder Zeit

Sonntag, 15.03.2015

Wie würdet Ihr entscheiden, wenn die Auswahl zwischen den beiden Möglichkeiten gegeben ist? Also zum Beispiel, wenn Ihr 3 Stunden Zeit spart, dafür dann aber 20 Euro mehr investieren müsstet? Nehmt Ihr die gewonnene Zeit oder das Geld? Ich wette, wir alle entscheiden uns für die Zeit und investieren dann lieber. Diese Tatsache ist mir allerdings erst in Russland so richtig deutlich geworden. Mir wurde bewusst, wie kostbar in unserer Kultur die Zeit ist, und wie manche Situationen in Russland dann andersartig wirkten. Denn die Russen entscheiden sich genau anders herum. Sie haben immer Zeit und stoische Ruhe dazu. Es ist nicht wichtig, ob ein Projekt heute oder morgen abgeschlossen wird. Es ist auch nicht wichtig in einer Stunde Moskau zu erreichen. Es gilt aber den Rubel beieinander zu halten. Und zwar nicht erst seit der "Rubelkrise", wie ich den Verlauf der Währung einfach mal so nenne. Erinnert ihr Euch noch an den Anfangskurs? Ein Euro lagen bei 48,53 Rubel, zum Ende meines Aufenthaltes war er sogar traurige 75,54 Rubel wert. Und während ich mir folglich jeden Tag mehr leisten konnte, hatten meine Freunde jeden Tag mehr Angst, dass die Wirtschaft, das ganze Land und natürlich sie alle persönlich Schaden nehmen könnten.

In meinem ersten Laborteam fiel mir der Unterschied in der Denkweise eigentlich gar nicht auf. Wahrscheinlich war ich zunächst zu sehr mit der Eingewöhnung und Orientierung beschäftigt. Später arbeitete ich weitestgehend alleine und von allen 3 Laborrotationen definitiv am selbständigsten während der Zeit mit dieser Gruppe. Aber selbst, wenn ich bei Versuchen assistierte, oder neue Techniken gezeigt bekam, war ich doch eher mit einem einzigen Kollegen unterwegs. Mich wunderte allerdings seine leise Frage, warum denn die 5 ml Pipettenspitzen täglich weniger würden. Ich verstand die Frage nicht so recht, wusste ich doch, dass diese Einmalprodukte sind und also nach der Arbeit entsorgt würden. Natürlich verschwanden die Spitzen, da ich sie schlichtweg verbrauchte.

Im zweiten Team dann fielen mir die Schuppen von den Augen! Kurz nach meinem Beginn in diesen Laboren hatten wir 4 verschiedene E.coli-Zuchten herangezogen. Die Bakterien schwammen in hoher Dichte in einer Nährlösung. Für den nächsten Schritt mussten die Bakterien nun aus der Lösung herausgefiltert werden. Das wird über Zentrifugation erreicht. Die Zentrifuge des Labors hatte 8 Plätze für 50 ml Plastikgefäße. Da die Kulturlösungen jeweils 200 ml betrugen und zur Trennung von den Bakterien aus dieser 15 min veranschlagt wurden, hätten wir folglich mehr als eine halbe Stunde benötigt, in welcher zudem keine weiteren Aufgaben zu erledigen anstanden. Nicht sehr spannend, aber nun denn. Auf gehts! Ich kramte also voller Elan 8 Gefäße aus der Schublade und wollte gerade mit dem Umfüllen der ersten Kultur beginnen... "Tina, was machst du da?"-"Ich werde jetzt die Kulturen zentrifugieren."-"Ja, ok, aber warum nimmst du denn so viele Gefäße?"-"Nun wir haben 4 Kulturen, aber 8 Plätze in der Zentrifuge..."-"Du brauchst nur 4 Gefäße."-"..."-"Das sind doch alles Einmalprodukte! Wir nehmen nur 4!"-"???"-"Du zentrifugiert nacheinander in dem gleichen Gefäß." Nunja, dass die Gefäße nur einmal Verwendung finden, war mir natürlich bewusst. Bislang hatte ich in den deutschen Laboren durch meine Versuche einen Riesenplastikmüllberg produziert und manches mal darüber nachgedacht, ob ich wohl mit diesem Beruf zu einer Vergrößerung des Plastiksees in den Ozeanen beitrage. Und oftmals ein ganz schlechtes Gewissen gehabt.

Bei uns denkt man darüber nach, dass man lieber ein frisches Gefäß nimmt und sich also sicher sein kann, keine Rückstände aus vorherigen Versuchen zu haben, die das aktuelle Ergebnis beeinflussen und verfälschen. Und wirft demzufolge weg. Da macht sich keiner die Mühe die Gefäße zu waschen und wieder zu verwenden. Ich muss sagen, das ich auch gar nicht weiß, wie teuer diese sogenannten Falcons sind. Aber im Wegwerf-Umgang mit denen, kam mir eher der Gedanke, dass sie wohl kein Vermögen kosten würden. Für die Russen scheint die Summe jedoch anders ins Gewicht zu fallen und man versuchte nun folglich, Material einzusparen -  und brauchte folglich allein für diesen Schritt des Arbeitsprotokolls über eine Stunde und damit die doppelte Zeit.

Das gleiche Verhalten beobachtete ich dann im Umgang mit den Handschuhen, die im Labor getragen werden. Solange in ihnen keine Risse entstanden, trugen meine Kollegen das selbe Paar über Wochen hinweg. Aus Deutschland kannte ich, dass je nach Arbeitsprotokoll die Handschuhe mehrfach täglich, zumindest aber am Ende des Versuchstages in den Mülleimer wanderten. Ich finde zwar, dass die Handschuhe ab einer gewissen Zeit, und auch besonders dann, wenn sie nass geworden sind, nicht mehr gut über die Finger zu ziehen sind. Aber die Müllberge sprechen dagegen eine andere Sprache. Ich fand die Idee, dazu beizutragen, diese zu reduzieren, also durchaus sympathisch.

Sehr spannend und völlig neuartig war zudem, als ich beobachtete, wie die Kollegen selbst die Agarosegele wiederverwerteten. Im Herstellungsprozess des Gels müssen einige Bestandteile für kurze Zeit in der Mikrowelle aufgekocht werden. Man erhält eine klare Flüssigkeit, die nun in einer bestimmten Form zu einer gelatineartigen Platte aushärten und verwendet werden können. Agarosen sind kettenartige Mehrfachzucker, die eine Netzstruktur bilden. Durch die Netzmaschen können nun DNA-Fragmente unterschiedlicher Länge aufgetrennt werden. Die großen Stücke bleiben demzufolge eher hängen und zwängen sich nur gemütlich langsam durch das Netzwerk, während die kleinen schnell voran kommen. Als Resultat erhält man auf dem Gel mehrere DNA-Banden, die jeweils für eine bestimmte Länge stehen, wobei die Großen am oberen Ende und die Kleinen weiter unten auf dem Gel zu finden sind, jedoch bis maximal im oberen 1/5 des Gels sichtbar werden. Die übrigen 4/5 würden also ungenutzt in den Müll wandern. Die Kollegen des zweiten Labores hatten indes die Idee, man könne diese 4/5 noch einmal einschmelzen und neu verwenden. Im Laufe der Experimente wurde jedoch die Sichtbarkeit und das Trennungsergebnis immer schlechter, so dass wir annahmen, dass durch den erneuten Aufkochvorgang irgendwelche Bestandteile des Gels zerkochten und demzufolge die Agarosegele wohl doch eher zum einmaligen Gebrauch geeignet sind. Aber es war sehr spannend, diese Idee zu beobachten und zu verfolgen. Ich muss zugeben, dass ich es wahrscheinlich gar nicht getestet hätte. Aber nun habe ich zusätzliche andere interessante Erkentnisse zum Verständnis des Gels gewinnen können.

Im letzten Team erreichte die Sparidee dann den Höhepunkt. Die ersten beiden Teams hatten die kleinen Pipettenspitzen nach Benutzung definitiv entsorgt. Und bei Volumina von unter 10 Microliter sind die Spitzen so eng und klein, dass ich mich frage, wieviel Wasser denn dort  während des Spülens hindurchläuft und wieviel daran vorbei. Trotzdem war es meine Aufgabe, alle benutzten Geräte so gut zu reinigen, dass man sie ohne Rückstände wieder verwerten konnte. Es war eine große Herausforderung und ich stellte fest, dass selbst die kleinsten Körnchen aus dem Waschpulver in den Spitzen hängenblieben und nach dem Trocknen mindestens Seifenreste zu erkennen waren. Meine Kolleginnen waren allerdings in dieser Technik ungeschlagen und bekamen es ohne Probleme hin. Mir fehlte wahrscheinlich die Übung. Und auch, wenn diese Waschaktionen nicht aus Umweltgründen geschahen, muss ich sagen, dass ich diese Weise zu denken und einzusparen (Geld und Müllberge) sehr, sehr sympathisch fand. Ich habe hier ganz bestimmt weit über den Tellerrand geschaut und neue Denkansätze für mich gewinnen und mitnehmen können. Ich bin gespannt, ob sich davon auch etwas in der Heimat umsetzen lassen wird.

russische Häuser

Samstag, 28.02.2015

Nach einem halben Jahr an Besuchen und Einladungen in verschiedenen Wohnungen, ist es Zeit, Euch die Wohnsituation in Russland vorzustellen. Die Studenten, welche aus dem entfernteren Umkreis oder sogar entfernteren Ecken innerhalb Russlands kamen, wohnten alle in den Wohnheimen der medizinischen Akademie, so wie ich auch. Allerdings war der Komfort in den Häusern für russische Studenten tatsächlich noch einmal anders und deutlich einfacher. So wohnten pro Zimmer grundsätzlich 3 junge Menschen zusammen. Auf jeder Etage gab es eine Gemeinschaftsküche (statt bei uns 2). Zum Thema Toiletten bin ich mir nicht ganz sicher, aber es gab im ganzen Wohnheim gerade einmal 2 Duschen: eine für die Mädels und eine für die Jungs. Anstehen inklusive. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Duschräume auch zu einer bestimmten Zeit über Nacht verriegelt wurden und also ein spätes duschen unmöglich wurde. Natürlich wurde auch dieses Wohnheim rund um die Uhr von 2 Wachdamen kontrolliert. Aber diese waren weitaus weniger freundlich und schon gar nicht tolerant Besuchern gegenüber. Im Gegensatz zu unseren Damen, die uns alle stets mit Namen begrüßten, schienen mir die Damen des Nachbarhauses nicht einmal die eigenen Studenten zu kennen. So ereignete es sich, dass ich eines Tages kurz einen Freund besuchen wollte und den Damen mehrfach seinen Namen nannte und sie mir allen Ernstes antworteten, dass sie einen Jemand mit diesen Namen nicht in ihrem Haus beherbergen würden... Komisch nur, dass der Freund wenige Sekunden später genau aus diesem Haus kam, um mir entgegenzulaufen...

Alle Studenten, die in der näheren Umgebung Nischnij Nowgorods lebten, wohnten bei ihren Eltern und nahmen entsprechend jeden Tag Fahrtzeiten in Kauf. Das gleiche galt im Übrigen auch noch für die Doktorandinnen. Keine von ihnen lebte in einer eigenen Wohnung. Erstaunt über diesen Umstand, sprach ich das Thema an. Die Begründung der Wohnsituation liegt größtenteils auf der finanziellen Situation. Die Gehälter sind dermaßen niedrig (so erfuhr ich z.B. dass voll arbeitende Ärzte mit gerade einmal 400€ pro Monat entlohnt werden), dass sich die meisten jungen Leute keine eigene Bleibe leisten können. Sie bleiben in der Regel bei den Eltern, bis sie verheiratet seien. Ein anderer Aspekt dürfte darin begründet liegen, dass zu Sowjetzeiten Wohnungsknappheit herrschte. Man könnte also sagen, dass ein längeres Zusammenleben im Familienverband schon aus der Geschichte heraus zur Gewohnheit geworden ist. Aber auch der Freizeitgedanke, wie er in unserer Kultur besteht und mit viel Leben und persönlicher Entfaltung gestaltet wird, ist, wie mir schien, in Russland nicht so sehr vorhanden. Die Geschichten, wie die Menschen um mich herum ihren Feierabend bestritten, ähnelten sich sehr. Nach Betriebsende fuhren sie vornehmlich nach Hause, kochten sich ein leckeres Menue und verbrachten die Zeit größtenteils in den eigenen 4 Wänden.

Und wie wohnt die fertig ausgebildete, arbeitende Bevölkerung? Ich würde sagen, die Situation ist ähnlich. So lernte ich einen alleinstehenden Arzt kennen, der sich aus Kostengründen eine Wohnung mit seiner Cousine teilte. Eine Familie war aufs Land gezogen, wo man sich nun statt einer kleinen Wohnung ein größeres Landhaus gönnen konnte und dafür einen langen Weg zur Arbeit in Kauf nahm. Eine Familie zog es vor, die eigene Wohnung zu vermieten und stattdessen dauerhaft die Datscha zu beziehen. Ich habe niemanden kennengelernt, der sich in der Stadt ein Haus geleistet hat. Sie wohnten alle in Wohnungen.

Vieles, was ich zuvor über russische Wohnungen gelesen hatte und für Ironie hielt, fand ich jedoch bestätigt. Es gab die Wohnungen mit Teppich an der Wand (obwohl das eher die Ausnahme war), Leuchter, in denen nur ein Teil der möglichen Glühbirnen eingeschraubt war und das Zimmer im Halbdunklen ließen. Die meisten Wohnungen waren schlichter eingerichtet, als bei uns, und deutlich weniger dekoriert. Das Interieur wirkte auf mich oftmals wie aus früheren Zeiten bei uns, so als wenn der Einrichtungsgeschmack der vergangenen Jahrzehnte, besonders auf die Muster bezogen, in Russland Hochkonjunktur hat. Eher wenige Wohnungen waren vergleichbar mit den unsrigen und die Besitzer wurden nicht müde, immer wieder zu betonen, dass ihnen ein westlicher Wohnstil ganz wichtig sei.

Am spannensten aber sind die Eingänge zu den Stadtwohnhäusern. Man steht vor der Haustür, die eher einer dicken Brandschutztür ähnelt. Daneben ein Nummernfeld, in welchen die Bewohner einen Code eintippen, oder die Besucher eine Rufnummer wählen, um eingelassen zu werden. Die Hausflure selbst wirken definitiv wenig einladend. Man trifft auf blanken, oftmals abgenutzten Beton, teilweise angestrichen, oft jedoch im Rohzustand. Stufen und Wände werden oftmals wenig gepflegt und wirken, wie in verlassenen Bauten. Ab und an hat man das Glück eine engen Dreipersonenaufzug zu finden, der einen in die gewünschte Etage befördert. Aber sobald man nun die Wohnungstür durchquert hat, gelangt man in eine andere Welt. Die Wohnungen als privates Umfeld sind dann gepflegt und gehegt. Mir schlich sich unweigerlich der Gedanke ein: ein Schritt und man ist in einem anderen Universum. Ob ich mich in diesen Wohnungen auf Dauer wohl fühlen würde? Nun, es wäre in jedem Fall eine Umstellung. Mir wurde bewusst, dass der Status einer Person tatsächlich eher über den Kleidungsstil und das allseits große Interesse an der aktuellen Mode ausgedrückt wird, denn an der Wohnungseinrichtung. Und ich erinnerte mich an eine jahrelang zurückliegende Diskussion mit einer Arbeitskollegin aus Ostdeutschland über den Sinn und Unsinn, eine Wohnung gemütlich und persönlich oder funktionell und einfach einzurichten.

Blick auf die Haustür vom Flur her Flur eines normalen Wohnhauses

Langlauf in Bolshoye Kozino

Mittwoch, 25.02.2015

Am Sonntag war es soweit! Nach der beinahe durchfeierten Nacht, weckte mich der Wecker doch allzu früh. Aber als mir klar wurde, dass ja Langlauf auf dem Programm stand und ich vorhatte, mich einer neuen premierenträchtigen Herausforderung zu stellen, war ich schlagartig wach. Ob ich das wohl einigermaßen hinbekomme? Kurze Zeit später saß ich im Auto meines Teamchefs aus dem ersten Labor. Wir fuhren durch Stadtteile Nischnij Nowgorods, die ich tatsächlich nie zuvor gesehen hatte. Allein das war schon spannend. Es ging Richtung Norden. Das zweite Mal überhaupt seit ich nach Russland gekommen war. Eine Stunde dauerte die Fahrt und unterwegs wurde die Gegend zunehmends ländlicher, bis wir das kleine Dorf Bolshoye Kozino erreichten. Mir schien, das ganze Dorf würde nur aus der Zufahrtststraße zum Skigebiet zu bestehen. Und es schien auch kein Geheimtip zu sein, denn an den Straßen reihten sich parkende Autos ohne Ende. Ich fragte mich bereits, ob es auf der Piste wohl ebenfalls Gedrängel geben würde und wenn ich als Anfänger dann ein paar Startschwierigkeiten hätte, den ganzen Ablauf stören würde. Aber wieder einmal vergaß ich die russiche Ruhe und die Weite des Landes, denn im Wald merkte man nicht wirklich viel davon, was für Horden sich zwischen den Bäumen bewegen mussten. Nach kurzer Zeit hatte ich die Ski angeschnallt, die Instruktion war ein simples: "Die Stöcke solten immer hinter dem Körper bleiben. Das macht es einfacher. So und nun versuch mal loszufahren. Bleib am besten immer in der Spur." Und los gings. Zunächst lachte ich über mich selbst, als alle Menschen um mich herum in einer unglaublichen Geschwindigkeit die Startbahn verließen und ich irgendiwe so kaum von der Stelle kam. Aber immerhin, es ging auch mit mir vorwärts. Dann kam die erste Kurve, ich verlor die Loipe... und kippte einfach zur Seite um. Plumps! Ich hatte ganze 50 m geschafft. Gut, dass ich auch in gewissem Maße mit Selbstironie gesegnet bin, denn ich lachte am lautesten von Allen darüber. Allerdings hatte ich immer gedacht, dass im Falle eines Sturzes, die Schuhe  sich von den Skiern lösen würden. Nun das taten sie nicht. Und würden es auch den ganzen Nachmittag nicht tun, egal, in welchem Schneehaufen ich auch steckte. So kämpfte ich mich tapfer voran und fand eine Technik des Fortbewegens. Ich war ganze 3 km/h schnell, wie wir hinterher durch eine App informiert wurden. Wahnsinn, wenn man dazu den Vergleich hat, dass ich auf gerader Strecke ohne Schnee gerne mal bei 5 km/h spazieren gehe... Unzählige Male fiel ich in den Schnee, immer dann, wenn meine Ski einfach die Loipe verlassen wollten, ich zu nah am Rand eines Hügels fuhr und mit den Skiern in den Tiefschnee geriet, oder es um die Kurven ging und ich die Parallelität der Holzschienen eher schlecht als recht koordiniert bekam. Zum Glück liegt man auch recht weich in so einem schönen Schneehaufen, so dass es nie weh tat mit diesen in Kontakt zu kommen. Trotzdem machte es irre Spaß und ich schwitze auch nicht gerade wenig. Die Stöcke gehorchten mir immer mehr und die Füße wurden koordinierter, so dass die Fallintervalle größer wurden. Ich habe sogar ein paar kleine Hügel bewältigt, das Bergauf- und Bergabfahren gelernt und viiiiieeeeele Endorphine gespürt (bei wahrscheinlich 15 km/h einen Hügel hinunter war ich einer Panikattacke nahe, als mir immer wieder Bilder durch den Kopf blitzen von Patienten, die nach schweren Skiverletzungen zu mir zur Behandlung gekommen waren und ich seitdem einen Heidenrespekt vor dem Skisport habe). Nach 5,5 km versagten mir jedoch allmählich die Kräfte ob dieser ungewohnten Fortbewegung und ich war froh, kurz darauf das Haus mit dem Skiverleih zu erblicken. Im Wald gab es mehrere Routen, so dass sich die Menschen darin tatsächlich verloren und wir eine ganze Weile nur zu dritt auf unserem Weg unterwegs waren. Es hat wirklich Spaß gemacht und ich hoffe eines Tages das Ganze wiederholen und meine Kunst ausbauen zu können.

Langlaufhelden mitten im Wald
learning by doing Teamchef und seine Frau

Am Montag traf ich ein letztes Mal die Koordinatorin meines Aufenthaltes. Ich gab ihr alle die wunderbaren Sachen wieder, die ich mir das halbe Jahr über hatte ausleihen dürfen. Wir frühstückten gemeinsam und besprachen das Feedback meines Aufenthaltes. Ich sprach auch ein paar Steine an, die mir in den Laboren begegnet waren, so daß ich hoffe, dass diese eventuellen Nachfolgern den Weg nicht mehr erschweren mögen. Die Organisatorin und wirklich gute Seele, sprach das aus, was ich ja nun schon lange vermutete: ich war auch für Russland ein Experiment, da ich tatsächlich die erste und einzige Austauschstudentin an der Akademie war und auch sie nicht so recht wussten, was sie denn von mir und meinem Ausbildungsniveau erwarten durften. Gut, das ist nun also geklärt. Studenten geht nach Russland! Euer Weg wird noch leichter werden, als meiner schon war. Nur Mut!

Resümee mit der Organisatorin

Am Abend fuhr ich noch kurz bei ein paar meiner russischen Freunde vorbei, um sie ein letztes Mal zu drücken. Wie so oft in den letzten Tagen, wurde ich unerwartet überhäuft mit Abschiedsgeschenken. Und mein eh schon voller Koffer, der sich nicht schließen lassen wollte, drohte aus allen Nähten zu platzen. Statt Gewicht zu verlieren, wurde er voller und voller. Zu guter Letzt packte mich die Verzweiflung. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten und sie quollen mir über Stunden aus den Augen. Ich habe nur gewonnen, seit ich nach Russland gegangen bin. Ich habe so viele gute Erfahrungen gemacht, so viel Motivation erfahren. Mir ist so viel Interesse begegnet und ich habe so liebe Menschen kennengelernt. Zu Hause warten wieder der Streß und der Zeitdruck, das Suchen nach dem Haar in der Suppe, die Geister der Vergangenheit und die Mühlsteine der Gnadenlosigkeit. Will ich da wieder hin? Und all das hier zurück lassen? Dazu die Frage, ob ich meine lieben Freunde wiedersehen werde. Selbst wenn ich zurück komme, werden sie denn noch da sein? Oder hat die finanzielle Not Russlands sie getrieben, das Land zu verlassen? Ich saß auf meinem Koffer, den ich zum 3. mal gepackt hatte und der immer noch nicht zuging und weinte und weinte. Da kam meine Freundin aus Simbabwe. Sie tröstete und herzte mich. Sie erzählte mir Geschichten aus ihrem Leben, um mich abzulenken und mir Mut zu machen. Sie erzählte von allen ihren Neubeginnen und dem Zurücklassen des Alten und wie sie überall einen Weg gefunden hatte. Mit ihren Worten kehrte Frieden in mein Herz. Ja, Russland war ein großes Geschenk für mich. Es war Heilung und Kraft, so daß ich als anderer Mensch zurückkehren werde, als der, der Deutschland im September verließ. Ich habe die Freude und die Dankbarkeit wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich habe Stärke und Zuversicht gefunden und Ruhe und Gelassenheit, dass sich immer eine Möglichkeit geben wird. All das darf ich mitnehmen und behalten. Vielleicht hat mir Russland auch die Kraft gegeben, die ich brauche, um mich einigen Punkten der deutschen Gesellschaft, dich ich nun mit anderen Augen wahrnehme, entgegenstellen zu können. Wir werden sehen.

Und als der Frieden mich umhüllte, ging beim vierten Versuch, nach einem Tipp aus der Heimat, die Sachen zu rollen, statt zu falten, der Koffer zu. Gewicht 24,3 kg, bei erlaubten 23 kg. Das schien mir machbar und ich fand die Kraft Lebewohl zu sagen.

Resümee:

was ich vermissen werde:

eine handvoll wunderbarer Menschen aus Russland und den afrikanischen Ländern; die Vielzahl der russischen Süßigkeiten und leckeren Piroggen; die klare, frische Luft; den Schnee; die für mich günstigen Preise; das Arbeitsklima; die Motivation; das stets positiv verstärkende Feedback; den Ideenreichtum, kostengünstig tolle Ausflüge zu machen; die Ausflüge; die bunten stuckverzierten Gebäude; die noch bunteren, wunderschönen Kathedralen an jeder Ecke; die Ruhe und Gelassenheit.

auf was ich mich freue:

eine handvoll wunderbare Menschen; Fortbewegung ohne stundenlangen Stau; die hygienische Situation in meinem Wohnheim; ein Zimmer ohne tierische Mitbewohner; eine Waschmaschine, die ich selbst bedienen darf; meine Tanzschule; ein paar meiner Unterhaltungsgegenstände zur Freizeitbeschäftigung; Schal und Mütze im Schrank lassen zu können; den DM; Unabhängigkeit.

  goodbye Nischnij

Und mit diesen Gedanken verließ ich Nischnij Nowgorod und flog für eine letzte Woche 1000 km nach Nordwest.

Abschied - Partyteil

Montag, 16.02.2015

Nach dem gemütlichen Abschied folgte das Partywochenende. Feiern war ich in Nischnij soweit eigentlich nie. Die eine Hälfte der Freunde war stets am lernen, die andere am arbeiten oder hatte schlicht keine Lust. Mehrfach hatte ich gefragt, ob wir nicht mal zum Tanzen gehen wollten, aber meine Idee war nie auf Gegenliebe gestossen. Und alleine wollte ich dann auch nicht losziehen. Die Diskotheken, Nachtclubs und Cocktailbars etc. werden also ihr Geheimnis für sich behalten. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, finde ich es doch recht schade, in einem halben Jahr nichts davon erlebt zu haben. Aber nun gut, die Partymaus bin ich ja in Deutschland auch nicht. Als ich im Beisein einer Freundin darüber philosophierte bekam ich eine einfache Antwort. In Russland wird nicht so gefeiert, wie in Deutschland. Man bleibt gerne zu Hause bei der Familie. Dazu käme wohl auch, dass die meisten Studenten eher ganz wenig Geld haben, und solche Späße dann das Budget überschreiten.

Im Laufe der Woche hatte einer meiner Blockmädels bei mir geklopft und gefragt, wann wir uns denn verabschieden wollten. Die Mädels wollten doch alle zusammen eine richtige Fete für mich schmeissen und freuten sich so sehr darauf, diese zu planen. Ich hatte also den Freitag bestimmt, weil mir schien, dass nach der abgeschlossenen Laborarbeit mehr innerer Frieden eine bessere Party geben würde. Also ich dann recht erschöpft gegen Abend das Wohnheim erreichte, riefen mir die Mädels entgegen: "Es wird heute eine Mottoparty! Wir machen richtig auf schick! Du hast doch hoffentlich was pinkes?!" - " Pink? Wie pink? Ich habe eher so rosa." -"Gut, dann rosa. Wir erwarten dich aufgemotzt um 8." Zehn Minuten später klopfte es an der Tür: "Sag mal, also so aufmotzen heisst auch mit hohen Hacken und Schmuck, ne? Nicht vergessen!" - "Mädels, ein Teil meiner Sachen ist schon wieder in Deutschland. Den hat meine Ma schon mitgenommen. Ich habe einfach zu viel Spaß am shoppen . Hochhackige Schuhe sind keine mehr hier. Die kann in dem Schnee doch eh keiner tragen." - "Ok... und Schmuck?" - "Kein rosa." Und dann wuselte sie durch alle unsere Zimmer und suchte nach passenden Schuhen und Schmuck für mich. Wenn schon, denn schon. Kneifen geht nicht. So ausstaffiert dachte ich, es wäre vielleicht noch ein Moment zum Ausruhen, bevor es weiter geht, da klopfte es wieder. Die dritte Mitbewohnerin. "Duhuuuuu? Ähhh.... deine Haare gefallen mir heute so richtig gut. Hast du dir die selbst geflochten?" - "Ja, das ist ein französischer Bauernzopf. Den hab ich mir heute morgen im Halbschlaf gemacht." - "Ich will auch so einen haben. Kannst du mir das machen?" Und schon versuchte ich in ihren tunesischen, sehr weichen und glatten Haaren das gleiche Muster zu flechten, wie bei mir. Dann hüpfte sie fröhlich aus dem Zimmer. Eine der tansanischen Mitbewohnerinnen steckte den Kopf durch die Tür: "Du hast ihr auch die Haare geflochten? Ich finde das ist so cool, bitte versuch das bei mir auch!" Bei diesen geflochtenen afrikanischen Extensions aber noch mal ein ganz andere Herausforderung. Nach der Frisur sank ich gerade aufs Bett, da kam ihre Zimmernachbarin: "Hey, du hast das jetzt schon 2mal für die Mädels hinbekommen. Ich will auch so aussehen." Ich konnte mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dazu kommt, dass ich eigentlich immer meinte, dass ich für MakeUp ein ganz gutes Händchen hab, mich zum Thema Frisuren aber als eine große Niete bezeichne. Ich bekomm das einfach nicht so gemanagt. Was für den Abend aber echt gut war. Denn obwohl 4 von uns nun mit dem gleichen Haarstyle ausgestattet waren, sah doch jede anders aus .

Kurz darauf ertönte Musik aus dem Nachbarzimmer, in einer Lautstärke, dass ich meinte, das letzte Zimmer im Haus ganz am anderen Ende würde uns bestimmt noch hören. "Na und??? Heute ist dein Abend und du bist bald weg. Was kümmerst uns der Rest? Heute sind nur wir. Und wir schließen jetzt die Blocktür ab, damit keiner reinkann, um sich über die Lautstärke zu beschweren. Vor allem nicht die Wachdamen. Auf dich!" Ich musste herrlich lachen über diese Unverfrorenheit. Und dann ging uns die Musik in Bein und Hüfte über und wir tanzten zwischen den Betten. Nach einer Weile wurde das Keks- und Pizzabüffet eröffnet und wir begannen allerlei witzige Spiele zu machen. Dabei reichte der Ulk von Pantomime, über Karaoke, bis spontanrappen über ein Thema, welches man aus einem Hut voller Möglichkeiten gezogen hatte. Es wurde das Blinzelspiel gespielt, Fragen beantwortet und jede Menge Glückwünsche ausgesprochen. Es war einfach genial und ich war sehr überrascht über die Mühe und die Kreativität der Mädels. Um Mitternacht fielen mir allerdings über dem Kuchenstück die Augen zu. Schließlich hatte ich nicht wirklich viel geschlafen in der letzten Woche und so verabschiedete ich mich schweren Herzens von dieser wunderbaren Party! Sie wird mir mit Sicherheit als eine der besten Partys meines Lebens in Erinnerung bleiben.

Party in pink wer hat den längsten Zopf?

Mmmmhhhh.... Pizza

Samstag Abend war die Zeit gekommen, um alle meine russischen Freunde zu verabschieden. Das grösste Geschenk war allein, dass alle Zeit hatten, obwohl es zunächst anders ausgesehen hatte. Es war wieder einer dieser kalten Abende mit Temperaturen bei -15°C. Es fing schon aussergewöhnlich an. Wir wollten uns am Park Schweizaria treffen, um den Abend mit einem herrlichen Spaziergang zu beginnen. Die erste Freundin und ihr Mann waren dann 40 min vor der vereinbarten Zeit angekommen und warteten. Die zweite Freundin wollte erst in 20 min starten (und fährt aber bei guter!!!! Verkehrslage mindestens 45 min), der zweite Freund war noch in der Stadt. Na großartig. Der Versuch die Freundin nebst Mann ins Wohnheim zu locken, ging daneben, da sie dann schonmal losmarschieren wollten. Nach einer halben Stunde kam der zweite Freund an. Er habe die anderen beiden schon im Park getroffen, aber sie wollten nicht mit reinkommen. Die zweite Freundin steckte im Stau - was eigentlich nicht anders zu erwarten war! Nach einer Stunde Wartezeit wurde ich richtig nervös. Das sind keine Temperaturen, wo man mal eben so warten kann und wenn die ersten beiden schon so lange da herumspazieren, sind die sicher durchgefroren und wollen wieder nach Hause. Ich trommelte den zweiten Freund heran und wir gingen auch zum Park. Jedoch war nirgends eine Spur von der Freundin mit ihrem Mann. Die waren in der Zwischenzeit rund 2 Haltestellen in die Gegenrichtung marschiert auf der Suche nach einem Geldautomaten. Die zweite Freundin wartete gerade mal auf den zweiten Bus! So wanderten wir also auch fröhlich los. Wäre mir das ganze Treffen nicht so unglaublich wichtig gewesen, hätte ich wahrscheinlich lauthals gelacht über dieses Chaos, aber so fürchtete ich die ganze Sache in der Kälte verlaufen zu sehen. Aber ich glaube meine Freunde wussten das, und hielten tapfer durch. 2 Stunden nach der Ankunft der ersten Freundin waren wir dann schon alle beisammen...

Verständlicherweise war die Lust aufs Spazierengehen etwas dezimiert. Gut, was nun. "Tina, wir kaufen Schweinchen. Wir müssen doch feiern und etwas zum anstoßen haben. Wir brauchen etwas damit der Spruch: Auf dass wir uns alle wiedersehen mögen! wahr werde!!!" Schweinchen ist ihr verniedlichender Begriff für alle prozenthaltigen Getränke. So zogen wir also in den nächsten Getränkemarkt und packten ein. Die Augen der Verkäuferin waren schon nicht schlecht ob des Sortiments, was über die Ladentheke ging. Im Übrigen: es gab immer noch keinen Wodka. Den wollte partout keiner trinken! Wieder eine Sache, die mir verwehrt geblieben ist. Ungewöhnlich für Russland, mag man denken, oder? Nunja, wie gesagt: die Welt ist auch hier im Wandel...

Da ich im Wohnheim keine Sitzgelegenheit für 5 Personen hatte, und auch nur 1 Tasse als einziges Getränkebehältnis besaß, beschlossen wir nun doch den Park zu besuchen. Im Übrigen: Alkohol trinken in der Öffentlichkeit steht unter Polizeistrafe und kann darin enden, die Nacht in der Zelle der nächsten Polizeibehörde zu verbringen (was einem Freund tatsächlich einmal fast passiert wäre). Also bloß nicht in der Nähe der Straße sein, sondern schön unter die Bäume. Es war bitterkalt und Sekt und Martini wirkten ach so schnell. Wir lachten und erzählten so laut, dass die vorbeigehenden Fußgänger uns schon fröhlich zuwinkten. Dann stellten wir fest, dass wenn man den festgetretenen Weg nur um 10 cm verlässt, man sich plötzlich in hüfthohem Schnee befindet! Es war einfach nur lustig und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als alle ein fröhliches Lied anstimmten. Wieder einmal war ich erstaunt. Singen gehört, denke ich, zur russischen Kultur, denn egal wo ich auch war: stimmte einer ein Lied an, fiel someist die ganze Gesellschaft mit ein. Ein Lied kannte ich sogar auch, meinem lieben Kulturkurs sei Dank! Um ca halb 9 konnten wir alle weder Füße noch Hände spüren und alles hüpfen und ulken half gegen die Kälte nicht an. Da wir aber noch zum Nachtschlittschuhlaufen wollten (das lief zwischen 22-2 Uhr), musste eine Idee her. Ok, dann doch ins Wohnheim. Wir brauchen noch neue Plastikbecher!!!! Ich glaube die Wachdamen haben unseren Zustand sehr wohl erkannt, aber nachdem ich es trotz allem schaffte zu stammeln, dass ich heute Abschied mit meinen russischen Freunden feiern würde, ließen sie uns lächelnd eintreten. "Aber nur bis halb 11!" Jaja, wir wollen ja noch aufs Eis... Wirklich?! Aber ja, zumindest 3 von uns waren noch in der Sporthalle, die anderen sind unterwegs dann tatsächlich den Weg nach Hause eingeschlagen. Ich muss zugeben: es lief sich sogar erstaunlich gut. Viel besser als befürchtet. Plötzlich war sogar der Kopf wieder klar und das Laufen klappte immer besser. Ich hatte ja schon im Dezember gedacht, dass ich mit den Schlittschuhkünsten der Wintersportnation nicht mithalten könne. Aber inlinern scheint tatsächlich vergleichbar zu sein, denn ich fuhr nicht weniger gut oder schlecht, wie meine Freunde. Und ein Pirouettenkünstler war auch nicht unter ihnen!

die lustige Truppe am Samstagabend nach dem Schlittschuhlaufen um 2 Uhr Nachts

Auf Wiedersehen Nischnij - du wirst mir so sehr fehlen

Samstag, 14.02.2015

Die letzte Woche meines Aufenthaltes in Nischnij Nowgorod hatte begonnen. Und ich war verplant mit Ideen, von wem und wie ich mich alles verabschieden wollte. Irgendwie wachsen einem nach einem halben Jahr Aufenthalt doch recht viele Menschen ans Herz. Am Montag traf ich mich mit meiner lieben Dozentin-Freundin in einem Restaurant, am Dienstag wurde ich spontan von einer, um Weihnachten neu kennengelernten Dozentin, nach Hause eingeladen. Sie hatte mir versprochen mich mit meinen heißgeliebten russischen Blinys in diversen Varianten zu verwöhnen und mir zum Abschied damit noch einmal leckeres russisches Essen zu ermöglichen. Ein paar Tage zuvor waren wir im Puschkintheater gewesen. Diesmal gab es die klassische Ballettaufführung Giselle. So kann ich also sagen, dass ich meiner Heimat dort auch gebührend Lebewohl gesagt hatte (insgesamt habe ich an Opern Madame Butterfly, Eugen Onegin, am Abend vor Weihnachten (ein sehr bekanntes ukrainisches Märchen) und an Ballettaufführungen Nußknacker, Schwanensee und Giselle besucht. Ganz ansehnlich, das Repertoir, oder?).

Am Donnerstag besuchte ich ein letztes Mal das erste Labor. Die Kollegen hatten mir bei unserem vorherigem Treffen erzählt, wie gern sie doch meine Urlaubsfotos von Moskau und Kasan noch sehen würden. Da das Teilen der Urlaubsereignisse nun Tradition sei und ich ja zum Team gehören würde, müsste ich also auch mit meinem Erlebten rausrücken . Gesagt, getan, und wie ich so erzählte und meine Photos mit theoretischem Wissen untermalte, wurden die Augen immer größer. Bis der Teamchef irgendwann rief: "Tina, das kann doch nicht sein! Wir sind hier die Russen und du erzählst uns gerade Dinge aus unserer Hauptstadt und von meiner Heimatrepublik, die ich und wir noch nie gehört haben!! Wie machst du das?" Ich berichtete davon, dass ich mich tiefgündig mit dem Thema auseinandergesetzt hätte und neben zwei Reiseführern noch das Internet zu Rate zog. Und für meinen Blog nach Hintergrundwissen Ausschau gehalten habe (meiner Meinung nach ist nämlich nichts dämlicher als eine Info, wie: hier seht ihr eine berühmte Kirche... Diese Aussage habe ich unlängst in einem Blog gelesen und dachte nur bei mir: wenn die so berühmt ist, ist es dann so schwer rauszufinden, wie das Schmuckstück heisst und es zu benennen?! Nunja, mein Ehrgeiz war ja schon immer auf der Stufe, dass wenn ich etwas anfange, es auch ausführlich und intensiv machen zu wollen). Das nächste Argument war dann, dass man schnell Wissen ansammelt, wenn man sich für etwas interessiert und sich das dann auch leichter merkt. Wahrscheinlich würde es einigen meiner ausländischen Freunden mit Faktenwissen über Deutschland ähnlich ergehen. Sie würden sich für jede Menge Dinge interessieren, zu denen ich mir noch nie Fragen gestellt hätte. Und jetzt würde es mir genauso mit Russland ergehen. Ich erntete einen Haufen Lob für meinen Vortrag und Begeisterung, dass ich so viel Neues hatte erzählen können, obwohl jeder Anwesende schonmal in Moskau und auch Kasan gewesen sei.

Am Ende des Abends fragte mich der Teamchef, ob ich schon Pläne fürs Wochenende hätte. Ich berichtete, dass ich mich auf Abschiedsreise befinde und fragte, was genau er denn andeuten wolle. Dann bekam ich zur Antwort, dass er und seine Frau am Sonntag zum Langlauf aufs Land fahren würden und sie mich gerne mitnehmen wollten. Ooooh! Ein Traum!!! Noch mehr Wintersport in Russland! Und Langlauf bin ich überhaupt noch nie gefahren. Das muss ich unbedingt versuchen!!!!! Andere Pläne für das letzte Wochenende waren eh schon umgeworfen worden. So war mir am Anfang meines Aufenthaltes von einer Studentin versprochen worden, dass sie mich unbedingt in ihre Heimatstadt Wladimir einladen wollte. Ich hatte mich sehr gefreut (zumal ich so gerne eine Stadt des goldenen Rings kennenlernen wollte) und fortan auf die konkrete EInladung gewartet, die allerdings nie kam. Mir wurden zwar immer wieder neue Daten angetragen, an welchem die Reise stattfinden sollte und ich hielt mir die entsprechende Zeit dann vorsorglich frei und sagte dafür anderen Freunden ab. Passieren tat allerdings nie etwas. Jetzt sollte ich doch wahrlich an meinem letzten Wochenende kommen... Aber ich beschloss, dass es nun zu spät sei, Wladimir zu erkunden und ich die Zeit doch ganz unbedingt mit denjenien lieben Menschen verbringen wollte, die mir über die ganze Zeit zur Seite standen und fest ans Herz gewachsen sind. Und eine Langlauftour erschien mir höchst erstrebenswert!

Gleichzeitig brach an diesem Donnerstag ein letztes Mal absolutes Chaos über mich herein. Seit dem Beginn der Woche hatte ich geglaubt, soweit mit meinem Abschlussreferat fertig zu sein und hatte mich nun eher darauf konzentriert, den Text sprechen zu üben. Dann kamen einer nach dem anderen aus dem Team, begutachtete seinen Ergebnisteil in meinem Vortrag und hatte Anmerkungen oder Verbesserungswünsche. Ich blieb also die ganze Zeit beschäftigt im Versuch, es den Teamkollegen Recht zu machen. Das Beil fiel aber erst am Donnerstag Nachmittag. Ich bekam die grandiose Chance mit der Teamchefin persönlich meine Ergebnisse zu diskutieren. Da mir in einer Fragestellung tatsächlich keine gute Erklärungsmöglichkeit gekommen war, nahm ich diese Einladung gern an. Vielleicht war das jedoch nicht die beste Idee. Denn in dem folgenden Gespräch kam heraus, dass ich die Aufgabenstellung total falsch verstanden hatte und man so nicht glücklich mit meiner Präsentation sein könne. Ich verfiel ein letztes Mal in Panik und schrieb (mit Ausnahme des Besuchs im ersten Labor, welchen ich mir nicht nehmen lassen wollte!), wieder einmal, die ganze Nacht, bis mit dem Hahnenschrei eine neue Präsentation fertig war. Allerdings eine, die ich nun nicht mehr zu Sprechen geübt hatte. Eigentlich war mir auch bewusst, dass ich nicht alle Wünsche der Chefin umgesetzt hatte, denn für eine komplette vergleichende Analyse mit Ergebnissen anderer Forschungsgruppen ist eine Nacht einfach zu kurz. Ausserdem fand ich einen Vortrag, der direkt mit dem "Eingemachten" startet, ohne kurz nochmal auf Hintergründe zu verweisen, als unvollständig. Es bedeutete jedoch, das ich mich wiederholen würde, was mir eigentlich verboten war! Puh, entsprechend war ich nervös und noch viel mehr unsicher. Trotzdem verging die Zeit. Diesmal saßen nebem den Team auch Fremdhörer mit im Raum und die Organisatorin meines Aufenthaltes war ebenfalls eingeladen worden. Ein nicht gerade kleiner Druck, wenn man sich selbst nicht wohlfühlt. Aufgrund all der Umstände war ich gar nicht zufrieden mit mir. Dennoch beglückwünschte mich das Team und hatte nur gute Worte für mich. Ich wurde von allen umarmt und mir wurde klar, dass auch die Kollegen aus Labor 3 über die Zeit zu Freunden geworden sind. Der Abschied wurde dann wieder einmal in gemütlicher Kafferunde begangen und danach hiess es für mich schon ins Dekanat für Auslandsbeziehungen zu fahren, um meine Ausreisedokumente zu organisieren. Der ganze Tag verging in Warten und ich war froh, dass mich eine Freundin aus Simbabwe begleitete und moralisch unterstützte- und zwar vom Morgen bis zum Abend, bis der letzte Zettel geordnet und an Platz und Stelle war. Ist das nicht ein großartiger unbegreiflicher Freundschaftsdienst? Und wieder einmal fühlte ich die Wärme der Dankbarkeit in mir aufsteigen!

letzte Arbeit am Fluoreszenzmikroskop Abschlußpräsentation

Eingegraben in Arbeit... und in Schnee

Mittwoch, 04.02.2015

Schon wieder ist die Zeit gerannt und schon wieder weiss ich nicht, wo sie geblieben ist. Mein drittes Labor verlangt viel. Aber sie geben auch sehr viel zurück und ich habe zwar gerade den Eindruck, nicht viel Zeit für Sightseeing zu haben, dafür aber maximal in meinem Studium voranzukommen. Und immerhin ist das ja der Grund für mein Dasein hier in Nischnij. Nun, seit ich von unserem Urlaub wieder da bin, habe ich mich in Ausarbeitungen versunken. Leider ist das zweite Protokoll immer noch nicht fertig... Antworten auf meine Fragen erhalte ich zögerlich oder gar nicht. So dass ich wohl in manchen Fragen meine Phantasie befragen muss. Ich habe ob der Stolpersteine meinen betreuenden Professor zu Hause um eine Fristverlängerung der Abgabe gefragt und habe sie bekommen. Ich werde dann also nach meiner Heimkehr weiter in Papieren graben. Aber da habe ich dann ja auch erstmal keine anderen Aufgaben mehr, so dass ich hoffe, gut voranzukommen. Die Hälfte der Arbeit dürfte allerdings auch schon geschafft sein.

Dann habe ich nebenbei versucht, mich um einen Masterplatz in Essen zu bewerben. In der Hoffnung, dass keine der Gruppen ein Skypeinterview wünscht. Die Internetsituation ist nicht besser geworden und es wäre mir arg peinlich, in einem Bewerbungsgespräch 10 mal die Leitung gekappt zu sehen. Mir wurde ein Platz in meinem favorisierten Arbeitsfeld somatische Stammzellen angeboten. Voraussetzung: ich absolviere (und bestehe die Anforderungen) ein weiteres 6wöchiges Einarbeitungspraktikum und bleibe dann 1 Jahr dort. Die Antwort war also enttäuschend. Ich möchte dort zwar unbedingt hin, aber a) passt ein weiteres Praktikum nicht in dieses Semester und ich habe die 3 geforderten ja nun auch absolviert; b) dauert eine Masterarbeit gewöhnlich ein halbes Jahr (in Vollzeit, was ich im Übrigen schon eine anspruchsvolle und lange Zeit finde), c) werde ich im Sommer nicht länger durch BaföG gefördert und so ganz ohne Geld ein halbes Jahr weiter zu zaubern, kann ich mir nun nicht vorstellen. Plus ein weiteres Semester Gebühren etc... Sorry. Und dann kam allen Ernstes noch der Satz, dass die Länge der Studiendauer in Anbetracht einer guten Ausbildung nur zweitrangig sei. Wer damit Probleme hätte, dass ich mein Studium dann verlängern würde, wäre sicherlich auch geneigt, mich wegen meines zweiten Bildungsweges und höheren Alters abzulehnen... Ahhh ja! Mir kam der Gedanke, dass mir das Studium wirklich schwer gefallen ist und ich in jedem Semester über meine persönliche Belastungsgrenze gekommen bin. Trotzdem habe ich alle Anforderungen bestanden und bin stolz darauf, die Regelstudienzeit GERADE wegen meines Alters eingehalten zu haben (und mit Job etc). Und das mag ich mir echt nicht im letzten Schritt nehmen lassen, jetzt wo es eigentlich keine Hürden mehr gibt, der Berg erklommen ist und ich auf der Zielgeraden bin.

Ich bin also gerade bei diesem Thema bei Plan B. Nach meinen Erfahrungen in der Bachelorarbeit kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht eine Gruppe suchen sollte, wo mir der Chef sympathisch erscheint. Diejenigen, die mich schon länger begleiten, wissen jetzt worauf ich anspiele... Und wo ich mich gerade so in das Thema DNA etc eingearbeitet habe, kam mir die Idee, mich bei meinem 3. betreuenden Professor vorzustellen. Immerhin habe ich auch einige tolle Referenzen jetzt (dazu gleich mehr). Dieser Mann ist ein Südländer und hat dementsprechend auch so etwas von der Ruhe, die ich hier jeden Tag erlebe. Er antwortete mir, dass er sich freue über meine Frage und auch Plätze hätte. Er wartet jetzt auf meine Rückkehr und dann bittet er mich zum Gespräch. Von einer Kommilitonin, die bei ihm die Bachelorarbeit schrieb, habe ich noch in Erinnerung, dass sie die Zusage damals erst spät bekommen hat. Und spät dran bin ich allerdings. Aber es besteht Hoffnung. Er hätte ja auch direkt "nein" sagen können. Also hoffe ich auf Erfolg. Und muss sagen: die russische Gelassenheit fängt an, abzufärben. Ich bin total ruhig und zuversichtlich. Es wird sich was ergeben. Auch spät. Und im schlechtesten Fall verliere ich halt 2 Monate. Immernoch besser als ein halbes Jahr, oder? Und da ein Teil meiner Kommilitonen nicht nach Essen zurück kommt, dürfte die Konkurrenz also auch ein wenig kleiner sein. Drückt mir die Daumen, dass es ab April mit mir weitergeht, ok?

So, nun zum Teil mit den Referenzen. Also Labor 3 erwartete nach meiner Rückkehr ein paar mündliche Fachsimpeleien auf die ich mich vorbereiten sollte. Ich vergrub mich also in Thesen und Papern, beantwortete Fragen, las quer etc. Dann wurden die Anforderungen für meine Abschlußpräsentation konkreter und ich begann, Protokoll 2 auf Eis zu legen und mich den Ergebnissen zu widmen, von denen ich im letzten Team viele erhalten habe. Ich habe in 4 Methoden arbeiten dürfen, einen Haufen Miniexperimente gemacht, aber dadurch einen Berg an Daten erzeugt. Und die wollen natürlich optisch ansprechend verpackt und verstanden werden. Und wie mir so das Ende dieser Aufgabe in greifbare Nähe rückte, erreichte mich am Sonntag Abend um 22 Uhr die Nachricht: "Tina erinnerst du dich an die Veröffentlichung, die wir dir versprochen haben?!" - "Na, aber sicher doch. Ich brenne darauf!" - "Gut, morgen sollst du die schreiben." - "Wie an einem Tag?! Unmöglich!!!" - "Es reicht eine Thesis. Ungefähr 1,5 Seiten knackig auf den Punkt gebracht, was du herausgefunden hast." - "Ok. Meine Abschlußpräsentation ist zu 80% fertig. Da kann ich drauf zurückgreifen. Das einzige was ich noch nicht gemacht habe ist..." - "Du schreibst über Ozontherapie und Comet Assay!" - "...ist Ozontherapie und Comet Assay!" Ach neeiiiiiiiinnnnn! Gut, die nächste schlaflose Nacht voller Paper. Und ein Haufen Aufregung. Kann ich eine Thesis über Nacht schreiben? Ich habe sowas überhaupt noch nie geschrieben. Aber am nächsten Tag sollte auch schon die Abgabe sein. Gut, dann wachse ich halt mit meiner Herausforderung. Challenge angenommen - und wieder einmal bestanden! Ich schaffte das zunächst unmöglich erscheinende. Schrieb, fasste knackig zusammen, verwarf, korrigierte, kürzte... "Tina nicht mehr als 1,5 Seiten, sonst wird das nicht akzeptiert!!!" Und war am Nachmittag fertig. Stolz wie Oskar!!! Mit Tränen in den Augen. Heute kam die Nachricht, dass mein Text super sei und akzeptiert ist. Was passiert jetzt damit? Im März wird es an der medizinischen Akademie einen internationalen Kongress geben. Jedes Labor will zeigen, was man kann und jedes verfasst eine solche Thesis mit ihren wertvollen Forschungen. Und unser Labor habe ich vertreten! Ich, die Studentin, die Ausländerin, die Unerfahrenste. Ich bin so geehrt! Alle Thesen werden dann zusammen in einm kleinen Heft gedruckt und publiziert und verbreitet. Mein Werk? Ist das zu glauben???! Und ich bin Erstautor, was noch mal eine besondere Ehre ist. Mein Labor hat das Versprechen gehalten. Sie haben mich zu meiner ersten internationalen Veröffentlichung gebracht. Dazu die 2 internationalen Präsentationen. Es war harte Arbeit. Aber ich komme reich geschmückt daraus hervor! Und wenn ich das Heft in den Händen halte, überlege ich, es einzurahmen.

Ja, und das Wetter? Schwer zu sagen, wie ich den Winter hier beschreiben soll. Ich finde, dass die Temperaturen selten konstant sind. Und sie schwanken gerne um 10 Grad im Tagesverlauf, oder von einem Tag auf den nächsten. Ich würde sagen, die meiste Zeit sind wir zwischen -5 und -15°C (im Übrigen wohl ein total ungewöhnlicher und warmer Winter!). Aber diese Woche wurde es noch wärmer. Und damit kam der Schnee-Einbruch. Über Nacht hatte sich eine knie- bis hüfthohe Menge Schnee angesammelt und angeweht, die natürlich auch hier den ganzen Verkehr lahm legte. Es war eine spaßige Erfahrung, sich dort durchzugraben. Und es dauerte ein paar Tage, bis die Gehwege etc von dem meisten Weiss befreit wurden. Also hiess es am Montag wirklich eine Schneise ziehen. Und ich stelle fest, dass ich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt furchtbar friere, wohingegen -15°C gar kein Problem ist. Witzig, oder?

Eisblumen am Fenster hüfthohe Schneeberge Beleuchtung im Schnee

Ansonsten habe ich allmählich mit der Verabschiedungsrunde begonnen. Den ersten Freunden ist Lebewohl gesagt, die letzte Wäsche gewaschen, Planungen was wann wo noch zu tun ist. Und plötzlich, in diesen letzten Tagen, bekomme ich noch einen Haufen Infos, was man in Nischnij noch angucken kann und wo ich noch nicht war... Ich glaube, das schaffe ich nicht mehr. Aber am Sonntag, vor dem nächtlichen Anruf, habe ich immerhin die Metrorunde in Nischnij gemacht. Ich wollte gerne wissen, ob die Stationen hier genauso prunkvoll sind, wie in Moskau und wohl leider auch Kasan (ich glaub da muss ich noch mal hin, um die zu besichtigen ) und auf jeden Fall in Petersburg. Meiner Meinung nach kann Nischnij mit diesem Glanz allerdings nicht mithalten. Was vielleicht daran liegt, das Moskau und Pete wohl eher die repräsentativen Städte sind, und Kasan mit erheblichen Geldsummen vom Staat unterstützt wurde. Nischnij offensichtlich nicht. Ich habe mir trotzdem alle 14 Stationen angeschaut, um mir eine Meinung bilden zu können. Im Vergleich zu Moskau kommen hier wirklich selten Bahnen. Ich habe mindestens 5, manchmal aber auch über 15 min auf einen Zug gewartet, so dass ich für die Besichtigung 2,5 Stunden unterwegs war. Ich frage mich, ob es an Tag und Uhrzeit lag, oder Regelmäßigkeit hat. Mir wurde von weiteren Bauplänen erzählt, die sich allerdings erst in den nächsten 20 Jahren verwirklichen lassen werden. Bislang ist die Metro hauptsächlich auf der Westseite der Oka zu finden. Lediglich eine einzige Station führt auf die Ostseite. Da ich mich allerdings eher in diesem Areal aufhalte, ist die Metro als Transportmittel für mich uninteressant und ich muss weiter mit dem Stadtstau vorlieb nehmen. Der allerdings sicherlich entlastet würde mit einem Ausbau des Untergrundes. Da lässt sich für die Nischnij Nowgoroder Bürger also nur wünschen, dass irgenwann genug Gelder fließen können. Aber nun hier die 4 schönsten unterirdischen Bahnhöfe aus Nischnij:

Station Park Kultury Station Komsomolskaya
Station Zarechnaya Station Kanavinskaya

Auf Wiedersehen Kasan und Hallo TransSib

Mittwoch, 21.01.2015

Der letzte Tag in Kasan war gekommen. Wir hatten eher einen vagen Plan gemacht. Ich wollte z.B. gerne einmal außen um den Kreml herumwandern, da man von der Rückseite einen noch viel beeindruckenderen Blickwinkel auf die weißen Steine hatte, wie ich von der Bustour her wusste. Da wir jedoch am Abend die Stadt schon würden verlassen müssen, wollten wir zunächst austesten, wie lange man denn so zum Bahnhof wandert und wo genau der eigentlich liegt. Über Nacht hatte sich jedoch ein weiterer Temperatursturz ereignet. Das Thermometer zeigte -27 °C!!! Könnt Ihr Euch vorstellen, wie sich das anfühlt? Wahrscheinlich nicht. Konnten wir auch nicht so recht. Aber bei der Thermometerzahl blieb es nicht. Mein Handy hat gleichzeitig eine gefühlte Temperaturangabe, welche bestehende Humidität und Windverhältnisse in die Wahrnehmung mit einbezieht. Und das stellte uns sogar vor die Aufgabe -41°C zu überleben. Eine echte Kunst. Wie jeden Tag seit Beginn unserer Reise zogen wir dicke Leggins an, dicke Hosen, mehrere und lange Socken, mehrere Shirts, Westen, Jacken, Thermohandschuhe, Schal (manchmal auch 2), Mütze, Jacke mit Kapuze.... Es half nicht. Wir liefen dann 15min zum Bahnhof, orientierten uns in dem Gebäude und rannten schon fast zurück.Trotzdem brannten die Beine vor Kältenadeln, Ohren, Nase, Stirn, Wangen und Hände waren taub. Die kalte Luft brannte selbst beim normalen Atmen. Ich gab auf. Der vorherige Tag war temperaturtechnisch bereits eine Herausforderung, aber dies... Meine persönliche Toleranzgrenze war erreicht. Ich sah keine Möglichkeit zu Erkundungen aufzubrechen, nichtmal mit 5 Wärmepads pro Hand und Fuß. Ich hatte große Bedenken vor Kälteschäden. Und man kann nun auch nicht alle 5min in ein Cafe einkehren. So sieht man dann ja leider auch nichts von der Stadt. Und obwohl ein wunderschöner Tag mit Sonnenschein und tollem blauen Himmel lachte, verbrachten wir daraufhin den ganzen kostbaren Tag im Hostel. Im Übrigen sah man so Recht auch keine Menschen auf den Straßen, was mich ein wenig tröstete. Und auf meine Nachrichten nach Nischnij bekam ich die Antwort, dass selbst für die Russen diese Temperaturen grenzwertig sind und die Menschen eher zu Hause bleiben, oder so schnell wie möglich durch die Straßen rennen (was übrigens nochmal eine ganz besondere Kunst ist!!! Ich seh nämlich immernoch keine Streuwagen. Wenn, dann wird der Schnee mit Lastwagen abgetragen, aber darunter kommt eine dicke Eisschicht zum Vorschein, die schlimmer ist, als der Schnee. Und diese Eisschichten werden mit jedem Tag dicker, weil immer mehr Menschen diese festtreten und aufbauen. Als Ergebnis davon durfte ich bereits 4mal unfreiwillig das Fliegen erlernen...).

Abends zogen wir dann die Koffer über die Eisflächen, was deutlich besser ging als angedacht. Und zu unserer großen Überraschung war die Kälte plötzlich ganz ok und durchaus aushaltbar. Wir rätselten über diesen kuriosen Umstand, da sich an den Temperaturen nichts getan hatte. Vielleicht lag es daran, dass die Schlafzimmer im Hostel beinahe tropischen Gefilden glichen und dann der Weg nach draußen noch extremer ausfiel. Die Meetingküche, in welcher wir nun gesessen hatten, war aber eher kühl. Oder es lag an der Freude über das Bevorstehende. Also Memo an mich für weitere Erfahrungen: mindestens erstmal langsam herunterklimatisieren. Dann klappt das auch mit dem Ausflug. Zumindest mit einem Kleinen.

Bahnhof Kasan in Vorfreude auf die Nachtfahrt

Weiter ging es zu unserem nächsten spannenden Erlebnis. Ich wollte so gern einmal mit der transsibirischen Eisenbahn fahren. Und wenn man nun nach Informationen sucht, wo die historische Route denn nun entlang verläuft, lassen sich durchaus jede Menge Varianten entdecken. Und die Landschaft sieht nun auch nicht anders aus, ob man in einem neueren oder älterem Zugabteil sitzt. Wobei wahrscheinlich die neueren über etwas mehr Komfort verfügen. Alles in allem lässt sich letztlich sagen, dass sich scheinbar alle Züge, die zwischen Ost und West fahren und durch Sibirien fahren und das Uralgebirge überqueren transsibirische Züge nennen. Eine der Routen, die ich fand, war unsere. Also freue ich mich sagen zu können: ich bin ein Stück auf der transsibirischen Route dabeigewesen!

Im Übrigen sei an dieser Stelle zu erwähen, dass die Russen sich sehr über diese Freude amüsierten. Zwar reisen die meisten von ihnen auch eher mit dem Zug, als mit anderen Verkehrsmitteln, was allerdings eher auf Tradition zurückzuführen ist, denn auf Kosten- oder Interessensgründe. Ihre Meinung dazu war: "Wir verstehen mal so gar nicht, was die Europäer immer mit dieser transsibirischen Route haben. Im schlechtesten Fall sitzt du 10 Stunden auf deinem Koffer, weil nirgendwo ein Platz ist, oder aber auf sehr unbequemen Holzbänken in einem nichtklimatisiertem Waggon. Oder in der Nähe der Toiletten. Was soll daran toll sein?"

Wie dem auch sei, mich hatte ja eh das Abenteuerfieber gepackt. Und das eben beschriebene Szenario haben wir auch nicht angetroffen. Leider gibt es zwischen Kasan und Nischnij Nowgorod jedoch nur Nachtzüge, so dass also nicht viel war mit der romantischen Idee, etwas von der Natur zu sehen. Wir waren also insgesamt 9 Stunden bei kompletter Dunkelheit auf Schienen unterwegs. Wie, für 400km? Genau, entsprechend schnell fährt der Zug nämlich. Wär also soweit perfekt gewesen zum Sightseeing.

Die Organisation dieses Zuges war wirklich sehr gut. Jeder Waggon hat einen eigenen Schaffner, der sich um das Wohlbefinden der Reisenden kümmert. Er kontrollierte Pässe, erklärte den Weg zum persönlichen Platz, half beim Koffer ein- und ausladen, erklärte die Situation im Zug und bediente den Samowar um willigen Gästen Kaffe oder Tee zuzubereiten. Jeder Waggon hatte am Beginn und am Ende Toiletten. Und pro Abteil dann 6 Schlafplätze, die jeweils zu 2 übereinder angeordnet waren. Trotzdem bekommt man das Treiben im ganzen Waggon mit, denn Türen gibt es soweit nicht. Im Waggon waren es angenehme 23°C, es gab eine Art von Matratzen um die doch eher harten Sitzgelegenheiten etwas komfortabler zu gestalten. Und es gab Bettzeug, Decke und Kissen für alle.

Spannend war zu beobachten, wie sich die Russen in diesem Waggon dann Richtung Toiletten begaben, um kurz darauf im Pyjama oder Jogginganzug zurückzukehren. Und gegen 11, halb 12 ging die nächste Welle Pilgerer tatsächlich mit Kulturbeutel den Gang entlang. So weit hatten wir Anfänger natürlich bei Weitem nicht geplant. Die Atmosphäre empfand ich als sehr rücksichtsvoll und entspannt. Ab Mitternacht war es totenstill (natürlich bis auf die obligatorischen Schnarcher und das Rollen des Zuges). An Schlaf war trotzdem nicht so Recht zu denken, da die Maschinen doch recht laut sind und die Bänke trotz Matratze nicht so weich wie ein Bett. So beobachteten wir die Schatten vor dem Fenster und ruhten uns einfach aus. Und als wir am Morgen dann die Eiskristalle am Fenster und die komplett zugeeiste Einstiegstreppe sahen, wussten wir, dass wir die bislang kälteste Winternacht Russlands auf Schienen verbracht hatten.

offene Abteile wir fahren mit... ... und machen es uns gemütlich Schlafplätze

Und nachdem ich meiner Mama einen Tag lang ein wenig von meiner neuen Heimat gezeigt hatte, bin ich wieder im Studienalltag angekommen und es geht in die letzten Wochen meines Einsatzes. Mein nächster Vortrag ist auf den 6. Februar datiert und ich werde also wieder fleißig weiterschreiben und eine letzte Runde Gas geben.

im Planetarium

Premiere auch für mich... ...Metro in Nischnij

Mein erstes Protokoll ist in der Zwischenzeit bewertet worden und das Thema kann also abgehakt werden. Ich habe mal wieder nicht das Ergebnis bekommen, welches ich mir für die Arbeit, die ich investiert habe, selbst zugeschrieben hätte und die Antwort war wieder typisch deutsch: "Mir hat ihr Protokoll gut gefallen, ABER......" Und dann folgten zeilenlange Beanstandungen. Lob? Motivation? Fehlanzeige! Wieder wurde mir der Unterschied zu Russland bewusst. Und ehrlich gesagt: ich habe Angst zurückzukommen und wieder in diese gnadenlosen Mühlen zu geraten! Ich hoffe ich kann mir ein wenig Russland bewahren und vor allem umsetzen und vielleicht ein kleines Zeichen mehr Menschlichkeit setzen. Das zumindest habe ich mir vorgenommen.

Und noch etwas zum Schmunzeln zum Schluß: als ich in meinen Block zurückkehrte, fielen mir meine afrikanischen Mitbewohnerinnen um den Hals und riefen begeistert: "Schön, dass du wieder da bist, wir haben dich vermisst. Und gut siehst du aus! Du bist fett geworden!" Und ob meines entsetzten Gesichtes, zögerten sie und meinten: "Ist das denn in Europa kein Kompliment? Nein????? Uuuupssss. Äh... gut siehst du aus. In Afrika mögen wir ja eher Frauen mit Rundungen." Aha. Ok... Ich versuch dann mal ein paar der leckeren Süßigkeiten hier wegzulassen...

Liebster Award

Samstag, 17.01.2015

Was es nicht alles so gibt im Bereich des bloggens. Ich wurde nämlich nominiert für den Liebster Award. Nun dazu lässt sich nun nicht so viel faktisch recherchieren, wie ich das sonst kann (man merkt mir mein späteres wissenschaftliches Arbeitsfeld gar nicht an, oder? Bloss keine subjektiven Infos verwenden! ). Beim goggeln lande ich nämlich eher auf den Seiten von anderen Bloggern, die auch nominiert wurden und sich dem Spaß gestellt haben. Nun, was ich herausfand ist zumindest, dass der Ursprung dieses Awards tatsächlich in Deutschland zu suchen ist und das Wort "liebster" dann wohl auch so verstanden werden darf. Welch große Ehre, dass mein Werk so nominiert und wertgeschätzt wird! Nominiert wurde ich von Fräulein Bachelor of Hartz, die ich nicht bloß beim bloggen verfolge, sondern auch privat kenne. Witzig, wie wir uns als Erstsemester gleich an unseren Aktenordnern und dem suchenden Blick erkannten. Und wie der Kontakt doch irgendwie geblieben ist. Ich stelle mich hiermit also offiziell ihren Fragen.

1) Was hoffst du, mit deinem Blog zu erreichen, was ist dein Ziel?

Diese Frage ist einfach und ich hoffe offensichtlich. Ich hatte mir im Vorfeld meines Auslandssemesters die Frage gestellt, wie ich denn all den Fragen gerecht werden könne, die mich zwangsläufig erreichen und begleiten würden. Und ehrlich gesagt, hatte ich wenig Lust 20 mal das Gleiche zu schreiben. Dann kam mir der klassische Gedanke einer Rundmail. Aber diese erschien mir doch recht kompliziert, was das Einfügen von Bildern betrifft. Und schon war die Idee mit dem Blog geboren. Vorteil Nummer 2: jeder Leser und Verfolger ist völlig frei, wann und ob er / sie meinen Erlebnissen folgen möchte oder eben nicht. Ich spamme niemanden zu, der es nicht möchte und zwinge auch niemanden in ungünstigen Momenten damit, meine Erlebnissen lesen zu müssen. Jeder guckt, wann und wie es ihm passt. Und dadurch das ich hier öffentlich schreibe, können meine Ideen auch von denjenigen eingesehen werden, bei denen ich niemals dachte, dass sie meine Zeit in Russland interessieren könnte. Und die ich sicherlich vergessen habe zu informieren, dass ich hier schreibe. Schön, dass ihr mich trotzdem gefunden habt und ihr meine URL weiter verteilt habt.

Ein weiterer Vorteil des öffentlichen Blogs kann es sein, dass ich evtl. nachfolgenden Reisenden durch meine Erfahrungen ein paar Hinweise oder auch Ideen mitgeben kann. Oder Tips zu Stolpersteinen hinterlasse.

Dann lag mir des Weiteren daran, mit einigen Vorurteilen, die über Russland bestehen, aufräumen zu wollen und vielleicht ein wenig von meiner Liebe und Begeisterung zu diesem Land übertragen und Interesse wecken zu können. Ja und zu guter Letzt schreibe ich natürlich für mich. Um meine Erinnerungen zu konservieren und meine Erlebnisse hier jeder Zeit erneut abrufen zu können.

2) Wofür geht das Meiste von deinem Geld drauf?

Tja die traurige und ehrliche Antwort ist für Miete und Versicherungen. Und zwar bereits mehr als 2/3 meines BaföGs. Ich bin also nicht unbedingt aus Lust oder Freude neben meinem Studium arbeiten gegangen, sondern aus der finanziellen Situation heraus.

Von dem Taschengeld, was mir dann bleibt investiere ich wohl das Meiste in die Tanzschule, gefolgt von Klamotten und Kosmetik.

3) Disco oder Kino?

Kino! Definitiv! Ich mag es gute Filme zu schauen, in gemütlichen Sesseln zu fläzen, vlt noch was zu knabbern dabei. Allerdings bin ich kein Fan von diesen Kinomaschinen wie UCI etc. Ich mag es klein und gemütlich.

Und, wer mich kennt, weiß, das Tanzen meine Leidenschaft ist. Aber ich schlage mir nicht gern die Nächte um die Ohren, dafür ist mir nämlich der nächste verlorene Tag zu schade.

4) Was ist dir bei Klamotten wichtig, anders ausgedrückt, was bewegt dich zum Kauf?

Nach 14 Jahren beruflich bedingter Sportklamotten (uups hab ich mich jetzt damit geoutet, keine 23 zu sein?!), treibt es mich privat oft in die Gegenrichtung. Ich mag Kleider und Röcke und Stiefelchen etc. Und ich mag Klamotten, die irgendwie "ausgefallen" sind, also schief im Design, mit spannendem Druck, knallenden Farben, komischem Gebammel etc.

Zumindest in Deutschland. Denn für die Zeit hier habe ich einem langen und kaltem Winter entgegengeblickt und mich daher zum Großteil für praktisch und warm entscheiden, statt für Heals .

5) Welches Vorurteil über Blogger nervt dich gewaltig?

Vorurteile? Keine Ahnung. So viel Erfahrung habe ich dazu noch nicht. Und mir auch keine Gedanken gemacht, was Leute dazu denken könnten.

Mir fällt eher ein, was Leute vorurteilsmäßig über meinen persönlichen Blog denken könnten. Das geht dann eher so in Richtung: "Puh, die ist aber naiv und hat eine rosarote Brille auf." Nunja. Ich berichte bewusst positiv. Angelehnt an meine Ziele (s.o.) und der Tatsache, dass jeder meinen Blog finden kann, ist es mir sehr wichtig die positiven Seiten meines Aufenthaltes in den Vordergrund zu stellen. Zumal ich hier so wunderbare, hilfsbereite Menschen um mich habe, dass ich den Großteil der Zeit wirklich dankbar bin. Aber natürlich gibt es auch andere Seiten. Aber ich will eben auch keinen Mecker-Blog schreiben, oder?

6) Willst du mit bloggen mal dein Geld verdienen? Wenn ja, warum? Und wenn nein, womit dann?

Nö. Öhhhh, Grundlagenforschung glaube ich . Zumindest studier ich doch sowas... Somatische Stammzellen fänd ich super für später. Find aber auch eine Menge anderer Themen interessant.

7) Mal abgesehen vom b-Wort, was ist dein liebstes Hobby?

TANZEN!!!! Also nicht einfach so für mich. Ne, also schon so im Kurs. Ziel für 2015: ich werde an der Weltmeisterschaft in meiner Richtung antreten. Ist schon fest zugesagt und eingeplant.

Ansonsten handarbeite ich gern. Nähen finde ich besonders toll.

8) Welches Verhalten von Bloggern würdest du am liebsten unter Strafe stellen?

Hm. Dazu lese ich zu wenig Blogs. Aber in so Austauschgruppen, geht mir oft die Unfreundlichkeit der Menschen einander gegenüber und das ewige Rumgemecker gegen den Strich.

9) Was ist dein Traumreiseziel und warst du schon mal da?

Ich wollte schon immer mal eine Rundreise durch China machen. Als Hochzeitsreise. Irgendwann. Vielleicht....

So einen karibischen Strand unter den Füßen fänd ich auch spitze.

Und natürlich Russland! Baikalsee vielleicht? Sibirien? Ein Stück (mehr) mit der TransSib?

10) Was willst du dir dieses Jahr auf jeden Fall noch gönnen?

Den Masterabschluß! Und den mindestens Vizetitel bei der Tanzweltmeisterschaft (nein, das ist jetzt nicht arrogant, meine Trainerin ist dermaßen spitze, dass ihre Gruppen jedes Jahr mindestens mit dem Vizetitel nach Hause gehen).

11) Was war der beste Ratschlag, den du je erhalten hast?

"Sei nicht traurig um Menschen, die es nicht mit dir in die Gegenwart geschafft haben. Ihre Rolle in deinem Leben war zu Ende." Ein Satz, der mir kurz vor meiner Abreise großen Frieden geschenkt hat, nach einem üblen hinterhältigen Angriff.

Und Satz Nummer 2: "Unter jedem Dach ein Ach!" Sehr tröstlich und sehr wahr. Sollte man nicht vergessen, wenn man sich wieder wünscht mit jemandem tauschen zu wollen. Jeder trägt ein Bündel. Die einen leiser, die anderen einfach lauter.

 

So, will sonst noch wer was wissen? Nein im Ernst, bei dem Award geht es wohl darum, sich bekanntzumachen und vorzustellen. Und mit anderen zu vernetzen eigentlich auch... Das ist jetzt allerdings wieder die gleiche Sache, dass ich mich ja nur als Kurzzeitblogger sehe und also nicht groß in diesem Universum vernetzt bin. Deshalb kann ich dann wohl auch keinen nominieren und mit meinen Fragen löchern. Schade eigentlich.

 

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